BIBLIOTHECA CLASSICA PETROPOLITANA
САНКТ-ПЕТЕРБУРГСКИЙ АНТИЧНЫЙ КАБИНЕТ
russian

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ABARIS 2000 № 1
This, the first issue of the annual magazine ABARIS published by ...
   

S. 1 Lectori benevolo. Das St. Petersburger Klassische Gymnasium, erste Lehr-einrichtung im neuen Russland, wo ernsthaft und systematisch Latein und Altgriechisch gelehrt werden, besteht seit zehn Jahren. Mit seiner Arbeit hofft das Redaktionskollegi-um, alle Freunde Gymnasiums zu einem Kreis um die Zeitschrift herum zu vereinen und jenen einen Austausch zu ermöglichen, denen an der Idee der klassisch-humanistischen Ausbildung und dem Heranwachsen einer »EIite der Verantwortung« (Prof. M. Hengel) gelegen ist.

S. 2 L. Lurje. einer der Gründerväter des Gymnasiums, erinnert an die Bedin-gungen, unter denen die Idee, die klassische Ausbildung in Petersburg wiederzubeleben, endlich verwirklicht werden konnte; mit zwei Gruppen begann das im Entstehen begrif-fene Gymnasium in der mathematischen Schule Nr. 30, wo Enthusiasten ein Unter-richtsprogramm aufbauten, das eine solide Ausbildung in den klassischen Sprachen vor-sah. Nach ausdauerndem Ringen bekam die Schule von den Behörden ein eigenes Ge-bäude. Der Beginn der Eigenständigkeit des Gymnasiums fiel in die Zeit der Entstehung des neuen Russlands nach der Niederschlagung des antiliberalen Putsches.

S. 4 A. Gavrilov und V. Sinelnikov spüren der Geschichte der Straße des Roten Kursanten (Offiziersschüler) nach. Es zeigt sich, dass an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert ein Teil dies langen Straße den Namen Griechische Allee trug, ferner dass, unweit im Gebäude der ältesten russischen Militäringenieurschule (II. Kadettenkorps), heute Militärische Ingenieur-kosmische Universität, zu Zeiten Katharinas der Grossen ein Korps der fremdländischen Glaubensgenossen existierte, was ein Gymnasium für Kinder griechischer Patrioten war, die vor der Türkenherrschaft nach Russland geflohen waren. Das Lehrprogramm war vom enzyklopädisch gelehrten Aufklärer, dem Griechen Evgenios Bulgarin, entworfen worden. Das heutige, wiederbelebte Gymnasium ist dem-nach an einem Ort entstanden, der die Spuren des russischen Philhellenismus im 19. Jahrhundert bewahrt hat.

S. 12 L. Zhmud zeichnet das intellektuelle Porträt des kürzlich verstorbenen, her-aus ragenden Altertumsforschers A. Zaicev (1926–2000), dem Lehrer beinah aller in Pe-tersburg tätigen Altphilologen. Seine Ideen gründen auf ein Bildungskonzept, von dem sich auch die Pädagogen des Gymnasiums leiten lassen: Das Gymnasium wählt begabte Kinder aus, die durch das Lernen gefördert und gefordert werden sollen. Hauptdisziplinen sind die alten Sprachen und Mathematik; das Gymnasium will keine Altertumsspezialisten produzieren, sondern kenntnisreiche Menschen zu intellektueller Arbeit befähigen.

S. 15 Erstmalig wird die Rede A. Zaicevs abgedruckt, die er auf einem Gymnasi-ums¬abend zum 2000. Todestag Horaz' gehalten hat.

S. 18 Ljudmila Menschikova und V. Zelchenko erzählen vom Gymnasiumskreis »Klassik« in der im Gymnasium befindlichen Bibliotheca Classica. Interessierte Gymnasiasten und Gymnasiastinnen können hier unter Anleitung der Lehrer und Lehrerinnen, die oft zugleich Lehrkräfte an der Petersburger Universität sind, ihre ersten wissenschaft-lichen Erfahrungen machen.

S. 27 Die Rubrik Abaridea versuche mit Hilfe der unbändigen Fantasie der Gymnasiastinnen die Lücken in den spärlichen Berichten antiker Geschichtsschreiber Über den geheimnisvollen hyperboräischen Helden (also unseren mythischen Lands-mann)), dessen Namen unsere Zeitschrift trägt, aufzufüllen.

S. 33 Die Gymnasiasten A. Distel, D. Kobak und K. Ivanov berichten von den ersten Aktivitäten des neu gegründeten »Deutschclubs« für Liebhaber und Liebhabe-rinnen der deutschen Sprache unter der Leitung von Sabine Witt, der Assistentin der Bibliotheca Classica (Robert Bosch Stiftung).

S. 34 Dem Gymnasiasten F. Chikrizov ist es gelungen, ein ornithologisches Re-ferat übet Spechte in der Form des »Liedes über den Sturmvogel« von Maxim Gorki auszuführen – ein Lobgesang in Versen auf die künftige Revolution. Die geschickte I-mitation des Metrums und «Irr monotonen Diktion sowie das markant übertriebene Pa-thos der in der Sowjetzeit kanonisierten Vorlage erzielen einen äußerst komischen Ef-fekt.

S. 36 Die Aufzeichnungen der Schülerinnen Anastasija Makarova, Marija Gri-gorjera und Olga Romanenko, die zum ersten Mal an der Schülerreise zu Grabungen in Chersones (Sewastopol / Krim; ermöglich durch die Robert Bosch Stillung) teilnehmen konnten, geben den starken Eindruck wieder, den sie von der anstrengenden, aber dankbaren Arbeit des Archäologen bekommen haben.

S. 40 Comics aus dem Leben der Nilpferde und Ameisen, gezeichnet von Gymnasiasten, helfen den Schülern sicher, sich die Besonderheiten der Rektion der lateini-schen Verben einzuprägen (imitor, iuro, neglego etc.).

S. 41 Die Lehrerin für russische Literatur, Jelena Gracheva, erzählt vom Thea-terstudio am Gymnasium, welches von Jelena Wensel geleitet wird, einer Schülerin des Petersburger Regisseurs B. Ponisovskij, der ein bekannter Vertreter der sowjetischen Untergrundkultur 70er Jahre ist.

S. 44 Eine französische mittelalterliche Farce wurde vom Theaterstudio nach der Fassung einstudiert, die der Lehrer M. Pozdnev zuvor aus dem Russischen in latei-nische Verse im mittelalterlichen Stil übertragen hat. Der lateinische Text ist in der Zeitschrift abgedruckt (die Aufführung ergänzt das Lehrprogramm Lebendiges Latein).

S. 50 Die erste Ausgabe dieser Zeitschrift wird von einer Liste aller Absolven-ten des Gymnasiums im Jahre 1995–99 beschlossen. Die Liste veranschaulicht den Er-folg des Bildungskonzepts des Gymnasiums. Fin sehr hoher Prozentsatz der Abiturien-ten studiert an der Petersburger Universität (СПбГУ). nicht nur an der philologischen, sondern auch an der historischen, mathematisch-mechanischen, psychologischen, jour-nalistischen und juristischen Fakultät. Viele Absolventen studieren an anderen angese-henen Hochschulen oder auch im Ausland. Ein ganz kleiner Teil ist in der Wirtschaft beschäftigt; mehrere sind im Verlagswesen tätig.


Edited by V. Zelchenko, O. Budaragina, V. Sinelnikov.